Sleaze Magazin Review

Klingt wie: Der Soundtrack eins 80er Jahre Films

GRIZZLEY AND THE KIDS

VON NOSTALGIE UND FUTURISMUS 
MAL IM ERNST. DIE 80ER WAREN TOTAL MIES. 

Zumindest sagt das jeder. Vor allem wir, die Kinder der 80er, die außer Playmobil, David Hasselhoff und Neon-Hosenträgern kaum etwas von dem ganzen Zinnober des eigenen Jahrzehnts mitgekriegt haben. Dabei wär die Sache recht einfach: Es geht immer um die eigenen Wurzeln. Man kann sie verorten. Oder verzeitlichen. Und man muss sie finden. Hier und jetzt.

Deshalb brauchen die Kinder der 80er beides: Ort und Zeit. Und früher oder später brauchen sie eine Auseinandersetzung: Wo kommen wir her? Und wann ist das alles mit uns passiert? Alles, was wir jetzt sind?!
Grizzley and the Kids. Zwei Söhne der 80er, zwei Kinder des Waldes, haben zurückgeschaut. Auf die eigene Heimat und in die eigene Vergangenheit. Auf Dekaden, Episoden und Filmszenen im Kopf. Und auf die Ecken und Kanten der eigenen Identität.

Das Ventil ist Musik. Und wer sich das Ergebnis dieser wunderbaren Auseinandersetzung anhört, wird sehen und hören, wie sich Erinnerung und Jetzt in Wohlgefallen die Hände schütteln.
Die Lichter gehen an. Der Tanzboden erstrahlt in einem grellen Bunt. Wir hören Sehnsucht, Ausuferung, schüchterne Blicke und technische Reinkarnationen. Im Gesang wohnen Melancholie und Aufbruch zugleich, getragen von einer Fläche aus grandiosen Clichés und Rückbesinnungen. Und sie haben die Gitarre nicht vergessen. Sie haben tatsächlich die Gitarre nicht vergessen. Das macht einen fast fertig, weil die schönen Erinnerungen dadurch nicht aufhören.

SO KLINGEN GRIZZLEY AND THE KIDS. 
MEHR GIBT'S DAZU NICHT ZU SAGEN. 


Denkt man an die 80er Jahre, so schwirren einem eher mittelmäßig beliebte Dinge wie neonfarbene Radlerhosen, David Hasselhoff und Modern Talking im Kopf herum. Die beiden Jungs von Grizzley and the Kids sind Kinder genau dieser Epoche und haben sich mit ihrem Debütalbum Temporizer an dieser Zeit orientiert: „Unser Sound ist von den 80er-Jahren inspiriert, jedoch haben wird die ‚schlechten‘ Dinge weggelassen“. Puh, da haben wir ja noch einmal Glück gehabt. Und es stimmt: Dieser Zeit eher untypisch kommen auf dem Album Gitarren zum Einsatz. Zwar ist die Inspirationsquelle noch deutlich auszumachen (besonders beim Opener Push Push), dies geschieht jedoch mit weitaus weniger Überschwang und Theatralik als es damals üblich war. Der Langspieler ist eine Mischung aus elektronischen und rockigen Elementen. Die Stimmung variiert stets zwischen melancholisch und vorantreibend. Temporizer bietet etwas Neues und zum Teil Ungewöhnliches. Der Zugang fällt zwar nicht leicht und mag nicht auf Anhieb gelingen,  aber manchen Dingen muss man Zeit zum Wirken geben. Da ist vielleicht auch der Gedanke, dass die 80er Jahre doch nicht ganz schlecht waren auch nicht mehr so abwegig. Ohne David Hasselhoff stünde wahrscheinlich noch die Mauer, Pamela Anderson würde irgendwo in der Provinz versauern und K.I.T.T. hätte nie sprechen gelernt.

(Stefan)